Reonar von und zu Falkenstein auf einem thorwalschen Drachenschiff in Richtung Liebliches Feld:

 

Dunkelheit umgibt mich. Wo bin ich? Wo bin ich hier gelandet? Panisch suche ich einen Ausweg aus dieser trostlosen Schwärze. Da! Ein Licht. Ein Licht so hell und angenehm wie die wärmenden Strahlen der Praiosscheibe. Es ruft mich zu sich, es zwingt mich nahezu, mich anzunähern. Ein ausgeleuchteter Gang der an einem massiven Steinbogen endet. Das was sich dahinter verbirgt wird jedoch von einem seltsamen glühenden Schleier verdeckt. Unbedacht versuche ich es mit meinen Händen zu erreichen. Ein heller Lichtblitz durchfährt meinen Schädel und blendet mich. Ich falle auf die Knie. Mein ganzer Körper zittert. Mein Augenlicht kehrt langsam zurück. Schmerzerfüllt merke ich wie mein Umfeld sich geändert hat. Ein großer Raum. Ein großer Raum geschmückt mit den verschiedensten Gegenständen und verblassten Textilien. Eigenartig. Das kommt mir alles bekannt vor. Eine Person erscheint in der Mitte des Raumes. Sobald sie ihre Stimme erhebt fährt ein stechender Schmerz durch meine Brust. Wie ein Nagel bohren sich die Worte der Kreatur in meinen Kopf:

 

Wie konntest du nur, Reonar!? Dein Vater hat alles für dich getan. Du hast dich in unserer Familie immer geborgen gefühlt. Es wurde immer für dein Wohlergehen gesorgt und jeder deiner Wünsche wurde respektiert und erfüllt. Er hat sich so viel Mühe gegeben. Dich ausbilden lassen und dir immer die richtigen Tugenden nähergebracht. Und so hat er dich entsandt, in der Hoffnung du würdest weiterlernen, neue Erfahrungen machen und daran wachsen um eines Tages viel Ruhm und Ehre über den Namen Falkenstein zu bringen...

Wie eine Vogelmutter hat er dich aus dem Nest gestoßen im festen Glauben du würdest deine Flügel ausbreiten und in die Lüfte schweben, immer in Richtung der Praiosscheibe. Doch was ist mit dir geschehen? Nun sieh dich an! Du hast den Glauben und die Lebensart deiner Familie abgeworfen und bist einem anderen Kult beigetreten, um der Donnernden zu dienen und ihren Namen auf alle Ewigkeit zu ehren. Du hast die Ketten gelöst und hast entschieden deinen eigenen Weg zu gehen, aber ob es wirklich die richtige Entscheidung war, wirst nur du alleine herausfinden können.

 

Die Gestalt zieht ihre Waffe. Ein abgenutztes Schwert mit fahler und verblasster weißer Klinge. Ein schneidender Schmerz durchfährt mein Haupt. Alles scheint zu verschwinden. Meine Sicht wird schwächer und ein weiteres Mal durchfährt ein greller Lichtblitz meinen Kopf. Erschöpft stürz' ich in die Tiefe...

Ich komme auf einer Plattform wieder zu mir. Mein Schädel pocht. Mein Körper ist am Ende. Meine Gedanken sind auf die Wörter der Erscheinung fixiert. Ich höre ein Gelächter. Mit der letzten Kraft stell ich mich auf meine zitternden Beine. Ein Weg. Ein langer ordentlich gepflasterter Weg aus hellen Steinblöcken. Und am Ende? Zwei Personen! Eine lacht. Es ist kein rachsüchtiges Lachen. Es ist mitreissend. So ein herzhaftes Gelächter...von wem kann das stammen? Daneben entdecke ich eine Gestalt mit dunkler Visage. Sie verschränkt die Arme. Mein Blick verschärft sich. Ein Weg aus Stein. Er führt zu einem Podest. Ein Podest aus purem Gold. Ein güldener Schein liegt darüber. Es sieht so friedlich aus. Zum ersten Mal bin ich erstaunt. Die Person die dort steht... das Gelächter...die Ausstrahlung ...Vater!? Dann muss die Person neben ihm mein Bru...

Ein unglaublicher Schmerz durchfährt meine linke Brust. Ein Schmerz den ich noch nie zuvor gespürt habe. Einen solch intensiver Schmerz...Ich sinke auf meine Knie und halte mir die Brust. Schmerzverzerrt drücke ich meine Augen zu und beiße die Zähne zusammen. Was ist das?! Ein leises Weinen durchbricht die Stille. Ich war so fixiert auf den Glanz. Auf die Herrlichkeit dieses Anblicks. Es existiert ein zweiter Weg. Er ist großteils zerstört. Überall liegen lose Steine und an den Rändern befinden sich verwelkte Pflanzen. Ich erblicke eine schlammige und nasse Wiese am Ende des Weges. Darauf ein Mann. Ein Mann gehüllt in roten und weißen Stoff. Seine Kleidung wurde in Mitleidenschaft gezogen und er selbst sieht niedergeschlagen aus und weint. Kniend stützt er sich auf seinem Schwert. Er trägt etliche blutende Wunden an seinem Körper. Mit einem schmerzhaften Schrei richtet er sich ein letztes Mal auf und schaut mir in die Augen. Diese Augen, sie sind leer und ohne jegliche Regung. Er blickt mir direkt in die Augen dennoch fühlt es sich an als ob er in meine Seele schauen würde. Er rammt sein Schwert in den aufgeweichten Boden neben ihn. Er trägt einen ramponierten Wappenrock welcher einen roten Löwen auf weißem Grund zeigt. Dann taumelt er und fällt letztendlich zu Boden. Mein Herz klopft stark. Es rast. Es fühlt sich an als ob es meine Brust aufreissen würde.

Schweißgebadet reißt es mich aus dem Bett. Meine Decke ebenso wie mein Körper und meine Haare sind völlig durchnässt. Mein Atem ist schwer und ich kann keinen klaren Gedanken fassen. Es klopft an der Tür. Da ist es schon wieder! Angsterfüllt zucke ich zusammen. Eine große, muskulöse Frau kommt herein und sagt mir wir würden bald in Neetha ankommen. Das war alles ein Traum? Warum hat es sich dann so echt angefühlt...?


Werbung