Lezard Valeth sâl'Horush während des Unterrichtens von Tuleyman al Kasim im Hause Rafim Bey ibn Rizwans (TRA 1008 BF):

„Du scheinst gut im Umgang mit den arkanen Künsten zu sein. Ich habe allerdings auch nichts anderes von dem Cousin Meister Rafims erwartet. Jedoch lassen deine grundlegenden Fertigkeiten wie das Rechnen, die Sternkunde und das Studium alter Sprachen zu wünschen übrig. Du verkennst wohl die Bedeutung dieser Fähigkeiten, denn auch sie sind Bereiche der Magie, wie das Sprechen eines Mantra selbst. Erlernst du jene nicht, so wird es dir niemals weit gereichen. Jedoch werde ich dich auf diesem Weg nicht allein lassen. Nach unseren ersten gemeinsamen Lehrstunden konnte ich mir ein Bild von dir machen, um zu wissen, was deine Stärken und Schwächen sind. Keine Angst, dies habe ich ohne Anwendung von Magie herausgefunden. Ich werde dich nun in den Grundlagen schulen, die du kläglich vernachlässigt hast. Wisse jedoch, auch Dinge, die für dich belanglos oder zu einfach wirken, benötigen einiges an Arbeit und Willen, um sie zu meistern. Daher werde ich keinen Müßiggang oder Lustlosigkeit dulden. Wie mein Lehrmeister Spectabilitas minor Fahrun Gerishdabad al'Horush es auch von mir verlangte, so will ich auch eiserne Disziplin und forschen Tatendrang von dir sehen. Solltest du dich als gelehrsam erweisen, so wirst du in mir einen Lehrer und vielleicht sogar ein Vorbild sehen. Zeigst du dich allerdings stur oder nicht bereit, meinen Anforderungen gerecht zu werden, so scheue ich mich nicht, dir diese Dinge auf einem anderen, unschönen Weg beizubringen. Denn wisse dies: Ich bilde dich nicht aus, weil es mir Freude bereitet oder weil ich großen Spaß daran habe. Ich lehre dich nicht, weil ich eines Tages einen fabelhaften Schüler haben möchte. Ich bringe dir diese Dinge auch nicht bei, weil ich glaube, selbst dabei etwas zu lernen. Ich tue dies nur für mich allein! Meister Rafim weiht mich in seine Künste ein, wenn ich es schaffe, dich um einige Erfahrungen zu bereichern. Und das ist das Ziel, weswegen ich hier bin. Ich werde seine Lektionen mit Bewusstsein und Härte absolvieren und mein Wissen weiter mehren. Und kein einfacher Eleve wird mich daran hindern. Dafür habe ich zu viel erlebt...“

[zwei Götternamen später]

„Du sagtest, es gebe nun nichts mehr was du nicht verstehen würdest? Du sahst eine Vielzahl an Mantras und verstandest sofort, welchem Sinn und Zweck sie dienten. Auch in meinem Unterricht erkanntest du die Zusammenhänge zwischen Schriften und Magie recht bald und wusstest gekonnt sie zu deuten. Schon nach kurzer Zeit hast du, trotz deiner anfänglichen Schwäche im Gebrauch fremder Sprachen und Schriften, gelernt, diese Defizite auszugleichen und konntest selbst größere Texte in passables Tulamidya übersetzen, was mich natürlich sehr erfreute. Doch bei deinem jugendlichen Leichtsinn vergisst du eine Sache: Wissen ist unendlich! Nicht einmal wenn deine Lebensspanne mehrere Äonen betrüge, würdest du dir das Allwissen aneignen können. Denke nur an die großen Magier der damaligen Zeit, wie Bastrabun oder Sulman al'Nassori. Diese waren mächtig und weise, ohne Frage, jedoch noch immer weit davon entfernt, alle Geheimnisse Deres zu ergründen. Jene Erkenntnis zog ich erst gestern wieder aus meinen Studien. Es reichte ein einfaches Buch, um mich an die Grenzen meines Verstandes zu bringen. Sowohl Geist, als auch Körper waren geschliffen durch die schiere Darstellung und das Wissen, welches dieses Buch vermitteln kann. Nie zuvor stand ich vor einer solch schweren Aufgabe und nie fühlte sich mein Kopf mehr angegriffen. Jedoch bin ich sicher, eines Tages diesem Buch seine Geheimnisse entlocken zu können. Aber dann hat sich mein Verstand auch nur um den Inhalt eines Buches erweitert. Von wahrem Wissen kann also nicht die Rede sein, von Allwissen nie! Du siehst also, kein Geschöpf aller Sphären kann sagen, es würde alles verstehen. Nun sieh zu, dass du weiterhin diszipliniert arbeitest und an alles Neue mit folgendem Gedanken heran gehst: Es ist nur ein weiteres Buch, dass du gelesen hast. Wir machen nun weiter mit dem Übersetzen bosparanischer Lyrik...“

 

Lezard Valeth's Tagebuch, Ende BOR 1009 BF:

„Wäre ich nicht zugegen gewesen, ich könnte nicht sagen, ob dies die Wahrheit ist, würde ein Fremder mir jene Geschichte über einen Schwarzmagier erzählen, der es mit einem Alten Drachen aufnehmen kann. Doch genau in diese Geschichte war ich verwickelt. Denn auf der Suche nach Liscom von Fasar hörte ich von seinem Kampf mit Teclador, dem Vorausschauenden. Mittels eines 8-gehörnten Dämons, den Liscom beschwor, konnte er den in einer Menschengestalt kämpfenden Drachen besiegen und ihn seines Karfunkels berauben. Welch arkane Macht in einem Menschen inne wohnen muss, dass er es schafft, eine derartige Bestie zu rufen und vor allem zu kontrollieren! Seine Macht durfte ich auch am eigenen Leibe spüren. Anders als viele zwielichtige Gestalten, gab sich Liscom sehr zuvorkommend und wenig bösartig. Dies sollte jedoch nicht über seine Absichten hinweg täuschen, denn sein Ziel war es, den Dämonenmeister Borbarad zurück in die dritte Sphäre zu holen. Nach dem zur Schau stellen seiner Fähigkeiten zweifelte ich keinen Moment daran, dass es Liscom gelingen würde, hätte er freies Geleit. Er versuchte sogar, uns für seine Sache zu gewinnen und es war zu erkennen, dass er dieses Angebot voller Ernsthaftigkeit und Wohlwollen unterbreitete. Er erläuterte uns ebenso in aller Ruhe, welche Gründe und vor allem Vorteile es hätte, Borbarad wieder zurück zu holen. Dabei appellierte er vor allem an mein Verständnis, bin ich doch wie er Abgänger der Al'Achami und damit Erbe der Kophtanim, die niemals vor Forschungen aller Art zurückschreckten und sich niemals irgendwelche Grenzen aufzeigen ließen. So begann ich nachzudenken. So viele von Liscoms Worten machten Sinn, da jene Worte eben noch durch seine Macht und sein Können unterstrichen werden. Für eine kurzen Moment keimte die Idee in mir auf, auf sein Angebot einzugehen. Mit seiner Hilfe könnte ich wahrscheinlich großes Wissen und Fähigkeiten ähnlich der seinen erlangen. Doch den soll ich einen einzigen Mann anbeten, der glaubt ein Gott zu sein, wo schon die Götter selbst nicht das sind, was sie vorgeben, zu sein? Nein, dieser Doppelmoral wollte ich mich nicht hingeben. Ich werde einen Weg finden, Wissen und Macht zu erlangen und es wird ein anderer sein als der, den die Jünger Borbarads gehen. Es wird hart und entbehrungsreich, wie mein gesamtes Leben bisher, doch am Ende des Weges wird es mir hoffentlich vergolten. Wie sagte ein bosparanischer Philosoph doch gleich?: Per Aspera Ad Astra, Durch Ungemach muss jeder gehen, um irgendwann die Sterne zu sehen!“

 

Notizen des Lezard Valeth auf dem Magierkonvent in Khunchom, 1012 BF:

„Unglaublich, wie dicht die Leute sich in den kleinen Raum drängen wollen. Nur, um eine bestimmte Person bei der Darbietung ihres Fachwerkes zu begutachten. Die meisten von ihnen haben ja nicht einmal eine Ahnung von der Magica Controllaria. Und doch kommen sie alle heran, wie die Motten zum Licht. Oft wurde mir schon erzählt, dass seine Spektabilität und Magnifizenz ein sehr gefährlicher und mysteriöser Mann sei. Ich empfinde es fast schon als peinlich, dass ich die Spektabilität meiner eigenen Akademie bis zum heutigen Tage nie zu Gesicht bekam. Ein Umstand, für den ich von anderen sicherlich belächelt werden würde. Jedoch scheint dies keine Seltenheit zu sein, wie mir Meister Fahrun versicherte. Jedoch wird sich dies nun ändern. Jetzt ist es unumstößlich, ihn zu treffen, ihn zu beobachten, ihn zu erleben. Man kann die Anspannung im Raum spüren und einige sind wohl nur hier, weil die Neugier über die Vernunft gesiegt hat. So wohl auch geschehen bei Collega Achatmaladannbambir, wobei sich mir hier einmal mehr sein Mut offenbart. Wobei ich mir mittlerweile Gedanken darüber mache, ob besagte Vorlesung wirklich stattfindet. Die Anwesenden werden langsam ungeduldig, da nichts geschieht. Warten wir einfach ab, was... Das... es kann nicht möglich sein. ER ist es. Es ist tatsächlich dieser Mann. Dieser Mann ist Thomeg Atherion!“


„Interessant. Überaus interessant. Es scheint, die ganzen Geschichten, die man sich über Tharsonius von Bethana erzählt, sind nicht unbegründet entstanden. Man muss tatsächlich anerkennen, dass er sich von nichts abhalten ließ, um seine Ziele zu verfolgen und sein Wissen zu mehren. Die Idee von der Überschreitung bestehender Grenzen sagt mir im Grunde durchaus zu. Warum sollte man sich sich von irgendeinem externen Einfluss einengen lassen, wenn dabei so vieles für die Person verborgen bleibt? Warum sollte man sich selbst auf das beschränken, was man schon weiß und kann, nur weil man sich nicht traut, einen Schritt weiter zu gehen? Ich selbst sehe hierfür keine ersichtlichen Gründe. Und ob dies wirklich gefährlich ist, sei dahingestellt, denn das Wissen stellt keine Gefahr dar, sondern nur die Handhabung dieses Wissens kann zur Gefahr werden. Somit stößt die von Grund auf ablehnende Haltung zur Lehre Borbarads bei mir auf Unverständnis. Ich selbst empfinde jedoch den religiösen Aspekt als absolutes Hirngespinst. Wäre es tatsächlich möglich, eine Person durch das Opfern anderer zurück auf Dere zu holen, so hätten dies schon ganz andere vor Borbarad getan. Lediglich ein Nekromant könnte eine sabbernde, herumschlurfende Leiche aus ihm machen, sein wahres Selbst zurück auf diese Sphäre zu bringen, wird niemals gelingen. Ich sollte also in Zukunft mit offenerem und vor allem weiter denkenden Verstand an Dinge heran gehen und mich nicht davor scheuen, vermeintlich Gebotenes und Verbotenes zu hinterfragen, will ich wirklich hinter die Materie des Wissens blicken.“

 

 

Lezard Valeth über die Ereignisse in Ring des Sssad'Navv:

 

An: Rafim Bey ibn Rizwan


Seid gegrüßt,

euch ereilt dieser Brief, da ich von einer besonderen Reise berichten möchte, die mich sehr viel gelehrt hat und deren Ausgang vielleicht auch für Euch von Interesse sein könnte.
In jüngsten Tagen führte mich mein Weg, wie Ihr bereits von mir hörtet, ins lebhafte Khunchom, wo mir an der Drachenei-Akademie nun endlich die Gründe für meine Einladung offenbart wurden, denn Erzmagus Rakorium Muntagonus schickte sich an, eine weitere Expedition auf die entlegene Insel Maraskan zu planen, wo er hoffte, mit Hilfe einiger Persönlichkeiten wie dem Schwertkönig Raidri Conchobair oder auch meinem geschätzten Collega Maggus Achatmaladannbambir, dem ich es anscheinend zu verdanken habe, eine Einladung zu bekommen, den Ring des Ssad'navv, einem Artefakt Rohals des Weisen, zu finden. Nachdem die Vorbereitungen abgeschlossen waren und die Überfahrt nach Maraskan trotz einiger Schwierigkeiten geglückt war, sollte nun die eigentliche Reise beginnen.
Schon von Anfang an war zu bemerken, dass die Insel nicht existierte, um menschliches Leben zu beherbergen, denn nahezu alles wirkte hier lebensfeindlich. Seien es die Flora und Fauna, oder auch die (zu meiner Verwunderung) dort lebenden Wilden. Das Eiland hielt uns alles entgegen, was es an todbringenden Waffen auffahren konnte, jedoch gelang es uns mit vereinten Kräften, die Gefahren zu bewältigen. Aber dennoch sollte es nicht bei diesen Eigenarten bleiben. Denn je tiefer wir uns in das Herz der Insel vorwagten, desto unnatürlicher wurden die Geschehnisse um uns.
Unsere Expedition war schon sehr weit ins Innere der Insel vorgedrungen, als wir Phänomenen beiwohnten, die sicherlich nicht auf natürlichem Wege entstanden sind. Wir kamen an Steinen vorbei, deren Aussehen an geschmolzenes Wachs erinnerte. Wir sahen Bäume und Ranken, die Dornen wie Stahl und Stein und von roten Schlieren durchzogen. Die Flora machte hier den Eindruck, als würde sie sich gegenseitig die Lebensenergie entziehen, so fremdartig und missgebildet war alles, was man hier sah. Darüber hinaus versperrte uns ein brennendes Feld den weiteren weg, jedoch waren die Flammen bläulich und nicht rot, wie Flammen nun mal sind. All diese Vorkommnisse gipfelten jedoch in einer Begegnung, hätte man mir davon erzählte, ich hätte es wohl nur schwer glauben können. Denn auf einer Lichtung auf unserem Weg stand ein pervertierter Auswuchs der Natur, wie ich ihn noch nie zuvor gesehen habe. Vor uns ragte ein Baum in die Höhe, dessen Aussehen allein das Grauen erregte. Die Rinde war schwarz und von roten Linien, fast wie Adern, durchzogen, die Krone war verzweigt und wies sehr genau sieben knorrige, blattlose Äste auf. Was jedoch wirklich erstaunlich war und mir sehr zu Denken gab, war die Präsenz des Baumes, denn die Reaktion unserer Expedition war sehr ähnlich der einer Person in Gegenwart einer Wesenheit aus der siebten Sphäre, nur um ein Vielfaches stärker, weshalb es auch absolut nicht möglich war, eine magische Untersuchung durchzuführen. So stellte sich mir die Frage, ob nicht ein Dämon für die betrüblichen Schauspiele der Natur wie etwa das „Vergiften“ des Baumes verantwortlich ist. Gerne höre ich Eure Gedanken dazu.

Letzten Endes konnte die Expedition dann, nachdem eine Dysdichonda zu überwinden war, den Ring des Ssad'Navv in Gewahrsam nehmen und mit diesem die unwirtliche Gegend Maraskans verlassen. In naher Zukunft wird sich dann herausstellen, welche Kräfte dem Ring inne wohnen und ob die Reise für alle lohnenswert war. Ich für meinen Teil sehe sie, trotz der Gefahren, sehr bereichernd für mich an.
Lasst hören wie es Euch und Tuleyman ergangen ist.

Es grüßt Euch,

Lezard Valeth Sal'Horush, Adeptus Maior der alten und ehrwürden Al'Achami vom Djer Tulam zu Fasar

 


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