...die Monströsitäten waren überall. Gerade regnete ein Hagel vergifteter Pfeile über Gerbalds Banner nieder. Am südlichen Ausgang des Talkessels hielten Marenos und seine Adepten die Stellung gegen ein ganzes Dutzend feuriger Erscheinungen. Der Blutzoll war gewaltig. Einer der Adepten - Herden wahrscheinlich - begann von innen heraus zu brennen. Trotz der Schmerzen, die er erleiden musste, hielt er den UNITATIO aufrecht. Aber es war nur eine Frage der Zeit, bis die Dämonen auch hier die Überhand gewinnen würden. Auch sein eigener Schild war löchrig geworden. Noch ein Angriff des Schwarzen Drachen, und er würde auf weltliche Mittel zurückgreifen müssen.

Ariarchos und seine Getreuen waren um das gelbgrüne Schlangenbanner versammelt. Elementare Kraft umtoste sie. Vielleicht hatten wenigstens die Priester eine Chance gegen das namenlose Grauen, das von allen Seiten auf sie einbrandete. Genug des Nachdenkens, da kommt er wieder. Wie ein riesiger Pfeil direkt aus den Niederhöllen. Ich kann seine glühenden Augen sehen. Nun gut, Herr Drache, lasst uns sehen, wessen Feuer heißer brennt...

 

 

"Dann sei es, Bruder. Wir beide wussten, dass es unvermeidlich ist. [...]

Bei der Ewiglichkeit der sieben Sphären, der sechs Elemente und der einen Kraft, beim Mysterium von Kha und dem Losstern, bei der Macht der zwölf Götter, der sechs Giganten und der sechs Urdrachen, bei den Sünden von Mada und Satinav, beim Willen unseres Vaters und bei der endlosen Verdammnis des Namenlosen spreche ich diese Worte:

Ewiger Los, Herr der Welten und Schöpfer des Alles, umfange diesen Geist und diese Seele, und du Menacor, sechsflügeliger Wächter des Limbus, halte Wacht über ein Äon Äonen, auf dass kein lebender und kein noch zu zeugender Mensch, Elf, Zwerg, Echs, Ork, Drach, Fee, und auch keiner von gemischter oder anderer Gattung in der Lage sei, selbigen zurückzurufen in die Dritte der Sphären, es sei denn, dies ist der Wille der Angerufenen oder mein Wille.

Also spricht Rohal, Sohn des Nandus:

HINFORT INS NICHTS, BORBARAD!"

- Bannspruch Rohals des Weisen gegen Borbarad, 590 BF

 

 

 

...ein blendendes, weißes Licht war das Letzte, was er mit seinen diesseitigen Augen sah. Dann Schwärze - eine lange Zeit nichts als Schwärze und Schmerz. Als er sich daran gewöhnt hatte, begannen seine Gedanken wieder in geordneten Bahnen zu laufen, so wie er es gewohnt war. Der Zwischenraum, der Limbus.

 

 

"Hiermit geben Wir, Thomeg Atherion, im Namen des Rates und der Konklave der Akademie der Geistigen Kraft zu Fasar, folgendes kund, bekannt und zu wissen:

Liscom ibn Azman Ghosipar, bekannt auch als Liscom von Fasar, Magister magnus Controllarius der Akademie und Anwender der arkanen Künste, wird hiermit und zum heutigen Tage, welcher ist der 21. Rondra des Jahres 995 nach dem Falle Bosparans, aus allen Ämtern an oben genannter Akademie entfernt. Die Tore des Hauses seien ihm auf immer verschlossen.

Grund dieser Maßnahme sind verbrecherische Tätigkeiten des genannten Liscom gegen Geist und Ziel der Akademie, insbesondere das Knechtische Verhältnis zu gewissen Anhängern des vergangenen Borbarad, wie auch von genanntem Liscom durch Geständnis und Bekenntnis zugegeben und bestätigt.

Thomeg Atherion

Erzmagus Controllarius

Spektabilitas maior der Alten und Erhabenen Al-Achami-Akademie der Bruderschaft der Wissenden vom Djer Tulam zu Fasar"

 

 

"Verehrte Kollegen, liebe Schüler, hochgeschätzte Gasthörer! Bitte schauen Sie sich diesen Gegenstand nun ganz genau an…Um meinen Ausführungen besser folgen zu können, empfehle ich Ihnen den Cantus ODEM ARCANUM anzuwenden, um das vorliegende Objektum auf seine magische Potentia hin zu examinieren…Sie dürfen gerne näher kommen! ...Ah, wie ich an Ihren Blicken sehe, haben Sie den Effekt bemerkt. Keine Sorge, der leichte Kopfschmerz wird in einigen Augenblicken abschwellen. Das untersuchte Objekt beinhaltet die gebundene Astralenergie zweier ausgebildeter Adepten! Ein tragischer Fehlschlag bei der Applicatio eines ARCANOVI. Leider entfaltet das Artefakt keinerlei nutzbringenden Effekt...Wie dem auch sei…Wie Sie sehen konnten, löst die magische Visitation eines Thaumatursoms mit hoher astraler Intensität gewisse unangenehme Reaktionen aus. Ein starker Lichtblitz, kurzzeitiges Erblinden und Kopfschmerzen…Stellen Sie sich nun ein Objekt oder ein Wesen mit einer astralen Intensität vor, die das hier gesehene um ein Vielfaches übersteigt! Was glauben Sie, was die Folgen wären? …Ganz recht: Es ist, als explodierte eine Sonne in ihrem Kopf! Diesen Effekt, der bei der Betrachtung einer EXTREM starken astralen Kraftquelle auftritt, nennen wir 'Teclador-Effekt'! ...Und nun möchte ich ihnen einen Kollegen vorstellen, der ihnen erläutern wird, wieso wir diesen Effekt mit diesem Begriff titulieren und ob man sich davor schützen kann: Begrüßen Sie mit mir Lezard Valeth sâl'Horush..."

- Magister minor Maggus Achatmaladannbambir bei einem Vortrag an der Drachenei - Akademie zu Khunchom

 

 

"Seit Tagen bedrängte der Ork den Rhodenstein, überquerte den Finsterbach wie eine schwarze Flut.

(...)

Die Schlacht wogte hin und her, doch letztlich drohte die schiere Übermacht der Orken die Ordensritter niederzuringen. Da übertönte des Abtmarschalls Stimme den Kampfeslärm, forderte den Besten aus den Reihen der Orks zum entscheidenden Zweikampf. Ein riesiger Zholochai, den die seinen Orchai - Orkan - nannten, nahm die Herausforderung an. Schwert traf auf Schwert und die beiden Widersacher kämpften so wütend und kraftvoll, wie es in alten Sagen besungen wird.

(...)

Nach langem Ringen schließlich hob der Abt Erían zum entscheidenden Schlag und lange ward kein Streich mehr ausgeteilt, der diesem gleichkam. Direkt ins Herz fuhr dem Schwarzpelz die Klinge. Doch noch im Fallen brachte der Ork den Tod über seinen Gegner und trieb dem Geweihten einen schartigen Dolch tief in den Rücken. Da zürnte Rondra gar fürchterlich, ihr Wutschrei jagte sturmesgleich übers Land, dass alle Fackeln erloschen, mächtig schleuderte sie ihren Blitzspeer, der in die Eiche inmitten der Waltstatt einfuhr, und nur die Flammende Eiche erleuchtete das Sterben ihres Dieners mit taghellem Schein. Als die Orken das sahen, wandten sie sich zur Flucht, und erst als der Letzte über den Finsterbach geflohen war, die Geweihten auf den Knien lagen und ihr Lobpreis der Göttin verklungen war, verstummte das Tosen des Sturms und die Flammen erloschen. Die Eiche aber stand unversehrt und schirmte einen großen Toten. Und so steht sie auch heute noch, den Gläubigen ein Zeichen von der Göttin Macht und Huld!"

 

 

 

"Sehr geehrte Magnifizienzen, Spektabilitäten, eure Erhabenheit, liebe Collega und Collegae! Es freut mich sehr Sie auch noch einmal persönlich an der Drachenei - Akademie in Khunchom begrüßen zu dürfen. Mein Name ist Orana Kellwig und ich leite das kampfmagische Institut hier im Hause. Die folgenden Ausführungen möchte ich darauf verwenden, unseren zahlreichen Gästen aus ganz Aventurien die Magiepraxis und Historie der Tulamidenlande etwas näher zu bringen. Sollten Sie sich für Echsenwesen und deren Götter und Kultur interessieren, empfehle ich Ihnen hiermit die Vorlesung von meinem geschätzten Collega Adeptus maior Hilbert von Puspereiken im Konferenzraum im zweiten Stock...

Die Magietradition im Land der Ersten Sonne hat sich zwar in den zwei Jahrtausenden des Kontakts mit bosparanischer Gildenmagie stark mit dieser vermischt, doch haben die Tulamiden als uralte Hochkultur auch viele ihrer eigenen arkanen Bräuche, Lehrmethoden und Traditionen bewahrt. So hat die tulamidische Magie viele Eigenheiten, die sie von der Gildenmagie, wie man sie in Punin, Festum, Vinsalt oder Beilunk praktiziert, stark unterscheidet.

Insbesondere pflegen tulamidische Magier eine stärker ritualisierte und nach ästhetischen Gesichtspunkten ausgeformte Zauberpraxis, deren Wurzeln die alten Repräsentationen der Kophtanim und der Mudramulim sind. Die Essenz der Kunst der Mudramulim wird dabei vor allem im Magiewirken unter Einsatz von Edelsteinen und Arkanoglyphen gesehen (das al'mudrar), während die Kophtanim nach Meinung vieler tulamidischer Magier Großmeister der Spruch- und Rezitationszauberei (al'mantrar) waren..."

- Magistra ordinaria Combattiva Orana Kellwig, "Magica Tulamidya: Eigenarten und Besonderheiten tulamidischer Gildenmagie", Eröffnungsvorlesung des Allaventurischen Konvents, Khunchom 1012 BF

 

 

 

"Oh weh, die Dörfler haben sich entschlossen,
in mir den Ursprung allen Übels zu sehen –
und sie haben wohl recht.

Sie haben sich vor der Tür zusammengerottet, doch
sie wagen nicht,
den Tempel zu entweihen.

Die ersten übersteigen die Mauer zum Kräutergarten.
Sieh' ihre Gesichter, ihre Augen…

So sei es. Ich gebe mein Leben in Deine Hände."

- Letzter Tagebucheintrag, zur Mittagsstunde

 

 

Er stieg die kleine Anhöhe empor von wo aus kurz zuvor noch Nemrod und vom Berg die Truppen beobachteten. Noch immer hatte er sich nicht daran gewöhnt. Er spürte die Blicke, und es widerte ihn an daran zu denken, was nötig war um sie zu vergessen. Ob die beiden ihm zunickten, oder zu Boden blickten um ihn nicht ansehen zu müssen, konnte er nicht deuten. Er nahm es ihnen nicht übel.

Ein lautes Gemurmel konnte er vernehmen, wie ein großer Haufen Ungeziefer, kurz bevor ein Stiefel es zerdrückte. Er hasste große Reden, ob dies schon immer so war, wusste er nicht mehr zu sagen.

Als er auf dem Hügel ankam, verstummte die Menge. Er hatte keine Rede vorbereitet.

"Gestern", begann er, "...fragte mich ein Freund...", dabei wandte er sich kurz um, als ob er nach Jemandem oder Etwas suchen würde, "ob ich Angst habe, morgen gegen seine Schrecken anzutreten. Ob ich Angst vor Dämonen und Monstern habe..."

Er hielt inne.

"Jetzt blicke ich hinab auf eure Reihen..."

[...Es folgt eine lange Aufzählung der Anwesenden...]

Er spürte, wie er die Herzen der Männer und Frauen erreichte.

"...Ob ich Angst habe? Seht mich an, und seht was meine Bürde aus mir gemacht hat!", dabei nahm er Haltung an und wirft seine Kopfbedeckung zu Boden, die sein Gesicht sonst in den angenehmen dunklen Schatten hüllt.

Ein Raunen geht durch die Menge, bevor er aus vollem Halse zu schreien beginnt: "ICH BIN DER SCHRECKEN! ICH BIN DER DÄMON! ICH BIN DAS MONSTER! FÜR UNSERE HEIMAT! TOOOOOOOOD!"

 

 


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